Die Bücher des Monats sind unsere besonderen Bücher aus dem jeweiligen Wetzsteinbrief des Monats.

Mareverlag, 22 Euro

Mitten in der Nacht wird ein Mann in eine englische Heilanstalt eingeliefert. Jung, stark und eigentlich gesund schwimmt er auf dem Trockenen, bis er vor Erschöpfung einschläft. Irgendetwas hat ihn verändert, aus der Bahn geworfen. Der Suche nach diesem „Etwas“ geht das Buch nach. Wir entdecken Ereignisse im Leben des Mannes, die seinen Geist überforderten: Einsamkeit und die Erfahrung des Krieges.

Diego Muzzoi schreibt hier einen inhaltlich prall gefüllten Kurzroman, der immer wieder sich anlehnt an die großen Klassiker der englischen Schauer- und Fantasieliteratur des 19. Jahrhunderts. Ganz in der Tradition von R. L. Stevenson (der im Roman eine Rolle spielt) geht es um die nebulösen Grenzen von Gut und Böse, um den „Kampf“ von Dualitäten und um Persönlichkeitserfahrungen (Veränderungen), in dem Fantasie und Wirklichkeit verschwimmen.

Goliaths Auge gehört zu jenen Büchern, die, unerwartet entdeckt, einen mehr beschäftigen als erwartet. Wer es abends liest, wird tagsüber nicht aufhören, daran zu denken, weiterlesen zu wollen. Literarisch traditionell und sauber verfasst ist diese schaurig-schöne Geschichte; sie ist ein Text, der spannend unterhält und gleichzeitig Tiefe und Substanz hat. [Björn Siller]

Bestellen: post@zum-wetzstein.de

Die Kunst des guten Essens vor dem Essen. DuMont Verlag, 32 Euro

Sollten Sie die Splendido-Kochbücher im DuMont Verlag noch nicht kennen, ist dieses eben erschienene Buch ein wunderbarer Einstieg in eine erste Bekanntschaft – mit großen Ausbaumöglichkeiten. Denn diese Kochbücher lehren uns, das Einfache als Ausgangspunkt für große Möglichkeiten zu erkennen und zu schätzen.

Während der Hitze in den vergangenen Wochen und jetzt steht der Sinn wahrlich nicht nach opulenten Speisen. Doch für einen Aperitivo sollten wir uns die Zeit nehmen und diesen angereichert mit kleinen Köstlichkeiten genießen. Das Durchblättern des neuen, wie immer sehr schön gestalteten Bandes lässt uns sofort nach einem schattigen Plätzchen suchen, um Seite für Seite uns an den vorgeschlagenen Getränken und den kleinen Gerichten zu erfreuen. Gleichzeitig durchstreifen wir dabei die unterschiedlichen Regionen Italiens mit ihren jeweiligen Eigenheiten. Und bekommen durch die besonderen Fotos den Blick geschärft für die Kleinigkeiten, für das Einfache und dennoch Außergewöhnliche, das uns bisher vielleicht noch nicht aufgefallen ist. Wir lernen Neues und Bekanntes in neuem Licht kennen. Und: Wir staunen, mit wie wenigen Zutaten wir soviel Schmackhaftes zubereiten können.

Die unendliche Vielfalt eines Brotsalates, marinierte Mozzarelline (immer mit Zitrone, nie mit Essig!), Crostini, gegrillter Zucchini und Zitronenricotta, Olive alla Siciliana, Crostini Piemontesi – wer dabei auch bei großer Hitze keinen Appetit bekommt und später in der Küche eine dieser vielen Anregungen umsetzt, der kann und muss in den Fächern Lebensfreude und Lebenskunst noch viel lernen. Es lohnt sich. [Susanne Bader]

 

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Report 2026. Hgg.: Nele Austermann, Leonard Ihßen, et al. Band 6. S. Fischer Verlag, 22 Euro

Wenn wir das Problem erkennen, gibt es immer eine Chance, dass wir es beheben. Eine Binsenweisheit, aber eine Haltung, die eventuell etwas verändern kann. Um das Problem zu erkennen, dafür haben 36 Jurist:innen und Journalist:innen die Texte des jährlichen Reports Recht gegen rechts verfasst. Sie beschreiben, wie rechte Gesinnung, Menschen, die rechtes Gedankengut propagieren, verdeckt und immer sichtbarer unsere Demokratie zerstören. Und sie benennen Gegenstrategien.

Sie beschreiben, welche Narrative wir in unserem Alltag aufgreifen, obwohl sie rassistisch, menschenfeindlich, populistisch oder faschistisch sind. Sie erzählen davon, wo und wie rechtes Gedankengut salonfähig ist und sie belegen, dass Rassismus, Ausgrenzung und Hass nicht neu, sondern schon immer Teil einer bundesrepublikanischen Wirklichkeit waren und sind. Und da wären wir wieder bei dem Erkennen des Problems. Wenn wir erkennen, dass wir nicht zu einer Normalität zurückkehren dürfen, sondern neu anfangen müssen, gibt es eine Chance – davon wird in diesen Texten gesprochen, denn wir haben einen Rechtsstaat und eine zukunftsfähige Idee in unserem Grundgesetz.

Ja, ich weiß, ein weiteres Sachbuch zu einem unbequemen Thema. Aber die Texte zum Rechtssystem, zu Rassismus, zu den Menschenrechten, zur täglichen Gewalt in Deutschland, zu Sexismus, zu Rechtsterrorismus und zu vielen weiteren Themen sind gut lesbar, kurz und prägnant gehalten und Grundlage für eine Debatte und für Selbstreflexion. In unserem Schaukasten vor der Buchhandlung steht es: Lesen hilft! Hier ist das passende Buch. [Björn Siller]

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