Rowohlt Verlag, 28 Euro

Dieser Roman der bis heute ersten und einzigen schwarzen Literatur-Nobelpreisträgerin ist 1977 erschienen und wurde soeben in neuer Übersetzung (von Tanja Handels) bei Rowohlt wieder herausgegeben. Gelebt hat Morrison von 1931 bis 2019; den Nobelpreis erhielt sie 1993.

„Das erste, was man über Toni Morrison wissen muss, ist: Sie schrieb nicht über Weiße. Sie schrieb nicht einmal für weiße Leserinnen und Leser. Bis dahin hatten Bücher von schwarzen Amerikanern weißen Amerikanern erklärt, was Rassismus ist, dass schwarze Menschen Menschen sind oder dass Sklaverei falsch war. Toni Morrison dagegen schrieb für Leser, denen das klar war, weil sie das Erbe der Sklaverei in ihren Knochen und Psychen trugen – und bewies damit, dass sehr konkrete Erfahrungen universell sein können.“ So drückte es die Autorin Mithu Sanyal am 6. August 2019 im Deutschlandfunk anlässlich des Todes von Toni Morrison aus und bekräftigt dies auch noch einmal in ihrem Nachwort zur vorliegenden Neuausgabe von Solomons Lied.  

In ihren Büchern kreist Morrison immer um den Rassismus, gegen den sie mit großer Verve zeitlebens angeschrieben hat. Das Thema bleibt und doch: Jedes ihrer Bücher ist auf seine Art wieder neu und anders. Morrison hat ein phänomenales Gespür für Situationen und für Menschen, seien sie sympathisch oder unangenehm, seien sie aufregend und spannend oder uninteressant, gar langweilig. Sie erfasst das Leben der Schwarzen in Amerika so präzise, dass es uns Lesende schmerzt.

Milkman Dead und Guitar, zwei schwarze Freunde, die im Rustbelt der USA leben. Der eine leidet unter seinem statusbesessenen Vater, der andere, Guitar, hat den Hass als Motor seines Lebens gewählt und wird davon beherrscht. Milkman bricht aus und macht sich auf den Weg in den Süden, verliert viel und gewinnt mehr dazu. Er lernt auf dieser aufregenden Reise seine Vergangenheit kennen und seine Herkunft, seine Wurzeln. Und damit sich als Mensch. Morrison erzählt so fesselnd und so genau. Sie verblüfft und überrascht. Was für ein Glücksfall, dass dieses großartige Buch in frischer deutscher Sprache erneut zu lesen ist. [Susanne Bader]

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