Mein Lieblingsbuch (Dagmar Faller) des vergangenen Jahres ist Vernichten von Michel Houellebecq, eine Mischung aus einem spannendem Politroman und der Familien- und Liebesgeschichte um den Protagonisten Paul Raison. Wir begleiten Paul ein Jahr während der französischen Präsidentschaftswahlen 2027. Er ist engster Berater und Freund des amtierenden Wirtschaftsministers Bruno Juge, der kurzzeitig als Premierminister vorgesehen wird – bis zu einer Verfassungsänderung, die das Amt des Premierministers abschaffen und ein präsidiales Regierungssystem einführen soll. Dies ist der politische Erzählstrang, in dem es um die Vernichtung der Demokratie, des modernen Lebens geht, und der der privaten Geschichte Pauls einen Rahmen gibt.

Paul lebt in einer scheinbar zerrütteten Ehe mit Prudence. Als Pauls Vater einen Schlaganfall erleidet, kümmern sich er und seine beiden Geschwister um den pflegebedürftigen Vater in dessen Landhaus im Beaujolais. Durch dieses Ereignis kommt es wieder zu einer Annäherung zwischen Paul und Prudence. Houellebecq lässt seine Figuren sich einander zuwenden und Halt in ihren Beziehungen finden. Dies beschreibt er meisterlich in einer sachlichen und fast nüchternen Sprache, die unglaublich berührt. In meinen Augen ein zutiefst versöhnlicher Roman, vielleicht der letzte Houellebecq, ein Meisterwerk, dessen Lektüre ich Ihnen wärmstens ans Herz legen mag. [Dagmar Faller]

Roman DuMontVerlag, 17 Euro (Taschenbuch)

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oder 28 Euro (gebunden)

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