Je Wetzsteinbrief empfehlen wir ein Taschenbuch vor.

Das im Juni 2023 empfohlene Taschenbuch gibt es leider nicht mehr als Taschenbuch. Zum Glück aber weiterhin als Buch im Schuber im Mare-Verlag:

Im Wetzstein habe ich (Björn Siller) vor vielen Jahren Mercè Rodoredas Roman Auf der Plaça del Diamant gekauft. Auch, weil auf dem Cover Roger Willemsen über dieses Buch geschwärmt hatte. Reingefunden habe ich aber nie wirklich. Daher hat es lange – viel zu lange – gedauert, bis ich Rodoredas Roman Der Garten über dem Meer zur Hand nahm – und darin versank. Nachdem ich die letzte Seite gelesen hatte, fing ich noch einmal an, blätterte zurück, las seitenlang noch einmal, einfach so. Denn der Roman bleibt im Raum stehen, klingt nach. Ich dachte: und jetzt?

Vordergründig geht es um das Leben der Reichen, in einer Zeit, in der scheinbar alles möglich war. Es geht um Liebe, es geht um Kunst, Pferde, den Garten, Autos und die Dekadenz des Lebens. Davon wird erzählt, aber nur als stofflicher Träger für die wirklichen Geschichten, als Träger für Zwischentöne, Schwingungen, für das Atmosphärische. Und gelingt es einem, diese zu erspüren, so tauchen Details auf, die sich nicht auf Anhieb zeigen. Dann lassen sich jene Geschichten entdecken, die von Rodoreda gerade nicht erzählt werden, die aber diesen Roman so besonders machen.

Der Garten über dem Meer ist ein Roman für den Sommer oder genauer: für eine Zeit, in der Träume und das Fliegen auf den Schwingen der Fantasie möglich sind.

Das Buch gibt es nur noch in einer gebundenen Ausgabe im Schuber in der gewohnt wertigen Aufmachung im mareverlag. [BS]

mareverlag 28 Euro

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Suhrkamp Verlag,13 Euro

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Mit Amos Oz und seiner Geschichte von Liebe und Finsternis im Gepäck lernte ich auf meiner ersten Israelreise das Land kennen: mit seinen Lebenserfahrungen, mit denen seiner Familie und solchen von geflüchteten Literaten und Philosophen, geprägt von den großen Ideen für das neue Heimatland Erez Israel und all den gescheiterten Hoffnungen der Einwanderer-Generationen. Oz erzählt Geschichte und Geschichten, von Europa, von Israel in der Mandatszeit bis heute (Stand 2007), von einem Sehnsuchtsleben im Kibbuz und er präsentiert uns eine (untergegangene) Welt des Geistes mit all jenen Personen, die wir aus unserem Judaika-Regal im Wetzstein kennen: Samuel Agnon, Martin Buber, David Ben Gurion, Josef Klausner u.a.) und mit all ihren Ideen und Werken.

Von diesen Menschen und ihren Hoffnungen erfüllt, bietet es sich an, als nächstes die Lebensgeschichte von Sari Nusseibeh zu lesen.

 

Sari Nusseibeh: Es war einmal ein Land

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Ein Leben in Palästina. Suhrkamp Verlag, 14 Euro

Sein Buch Es war einmal ein Land war für den palästinensischen Philosophen, Weltbürger und Präsidenten der Al-Quds-Universität in Jerusalem (bis 2014) zwingend notwendig für einen zukünftigen Frieden. Denn im Unwissen über den anderen sieht Nusseibeh einen Kern des israelisch-palästinensischen Konflikts, und nur wenn Israelis und Palästinenser ihre Nachbarn kennen, können sie auch miteinander leben. Daher erzählt er so ausführlich von seinem Leben, das nur wenige Meter vom Lebensort von Amos Oz entfernt sich abspielte und doch so ganz anders war. Nusseibeh, ganz der Vernunft verpflichtet, reagiert auf die Ideen, die wir bei Oz kennenlernen und schreibt sie aus seiner palästinensischen Sicht weiter. Ja, er erzählt uns auch von all jenen Versuchen, diese als Berater und Politiker umzusetzen.

Beide Bücher zusammen bereichern sich gegenseitig und werfen in einer feinsinnigen, literarisch hochwertigen, traurigen und humorvollen Weise einen wichtigen Blick auf die Gesellschafts- und Politikgeschichte Israels. Sie erzählen uns, warum dieses Thema uns auch heute angeht und warum es sich lohnt, die insgesamt rund 1200 Seiten zur Hand zu nehmen. Gerade auch als Sommerlektüre.

[Björn Siller]

Ein tragisches Reiseerlebnis. S. Fischer Verlag, Taschenbuch, 11 Euro

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Dieses Buch erzählt von einer kleinen Flamme, die man in die Hand bekommt und vor dem Wind zu schützen hat. Es ist ein zarter Hoffnungsschimmer, dass er doch gelingen kann: der Frieden im Heiligen Land!

Igal Avidan hat in Folge der Unruhen des Jahres 2021 sich aufgemacht, in Israel Menschen zu treffen und mit ihnen zu sprechen, wie Frieden, wie eine israelische Zukunft mit Juden und Arabern/Palästinensern aussehen könnte. Daraus entstand ein Buch, ein Text von Menschen, die getragen von Hoffnung, erschöpft von Rückschlägen sind und sich dennoch einsetzten für ein Israel, in dem Juden und Araber miteinander leben können. Wir erfahren, wie tragfähig (noch) die israelische Demokratie ist. Wir erfahren auch von vielen Momenten, in denen die Radikalen immer wieder gewinnen. Aber wir erfahren ganz besonders von all jenen, die sich dagegenstellen: still, helfend und Hoffnung bietend.

Der Text weiß noch nichts von dem Terror, der im vergangenen Oktober geschehen ist. Aber stecken darin vielleicht nicht trotzdem die Antworten auf diesen Terror? Angesichts der Gräuel der Hamas, angesichts der Spirale der Gewalt mag es utopisch scheinen, aber als Christ, als Jude, als Muslim darf man den Glauben an die Veränderung zum Besseren nicht verlieren. Daher: Sie ist möglich, das zeigt dieses Buch. Und es zeigt, dass wir alle Verantwortung zu übernehmen haben. [BS]

Igal Avidan: ‚ . . . und es wurde Licht! Jüdisch-arabisches Zusammenleben in Israel. Berenberg Verlag, 18 Euro

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