Je Wetzsteinbrief empfehlen wir ein Taschenbuch vor.

Im Wetzsteinbrief Mai 2023 stellte Susanne Bader das Kinderbuch von Fran Lebowitz vor. Nun empfehlen wir die 2022 in deutscher Sprache erschienene Textsammlung, die aus zwei älteren Büchern von Lebowitz zusammengestellt wurde. Es sind Texte, die das Leben in New York, das Leben der New Yorker im Blick haben – verfasst in jener humorvollen und bissigen Sprache, für die Fran Lebwowitz bekannt und berüchtigt ist. In diesen Texten hinterfragt, seziert und analysiert sie all das, was den New Yorkern lieb und heilig ist, stellt Gewohnheiten in Frage, fordert ein Nach-Denken über das Alltägliche und ist damit aktueller denn je. Dies gelingt ihr ohne zu moralisieren, einfach nur, indem sie einen Zeigefinger in die Wunden legt, die weh tun.

Was geschieht, wenn Sie dieses Buch lesen? Wenn Sie dunklen Humor mögen, kommen Sie ganz auf Ihre Kosten. Es könnte geschehen, dass Sie beim Lesen Listen erstellen und erkennen, dass Linguine mit Muschelsoße, die „krönende Errungenschaft der Menschheit ist“.

Wenn die Texte in diesem Buch Sie nicht zum Lachen verführen sollten, lesen Sie es dennoch bitte bis zum Schluss, schütteln vielleicht entrüstet den Kopf und nehmen ein Buch von Susan Sontag zur Hand. Auch sie ist New York, New Yorker Literatur. Mit anderem Humor. [Björn Siller]

Rowohlt Verlag, 14 Euro

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Taschenbuchempfehlung im Februar 2023

Ab Februar 2023 empfehlen wir in jedem Wetzsteinbrief zum Abschluss ein Taschenbuch. Hier die Neuausgabe einer schon im Jahr 2013 in deutscher Sprache erschienenen Familienbiografie von Jessica Mitford.

Sechs Töchter gab es in der Familie Mitford. Deborah und Pamela waren konventionell und eher unauffällig, Unity und Diana glühende Verehrerinnen von Hitler, Nancy war Romanautorin und Dauergeliebte, und Jessica, die Autorin des Buches, eine „Linke“ und Kämpferin auf Seiten der Republikaner im spanischen Bürgerkrieg.

Diese Lebensgeschichten, gekonnt gewürzt mit britischem Humor, münden in ein wunderbares Buch, das in keinem Bücherregal und auf keiner Leseliste fehlen sollte. Viel Vergnügen!

Berenberg Verlag, 20 Euro

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Die Taschenbuch-Empfehlung im Monat März 2023 ist ein Buch von Alba de Céspedes. 2021 als Hardcover erschienen, hat es kaum jemand wahrgenommen. Nun hat der Insel-Verlag es glücklicherweise als Taschenbuch erneut herausgegeben.

Mit Das verbotene Notizbuch gelang de Céspedes ihr literarischer Durchbruch. Der Titel bezieht sich auf die Aufzeichnungen der Protagonistin Valeria Cossati. Von einem plötzlichen Impuls gepackt, kauft Valeria ein Notizbuch und beginnt zu schreiben: über ihr Leben, ihre Lieben, über sich selbst und ihre Wünsche. Für sie, die die ihr auferlegten Rollen akzeptierte, wird das Schreiben zu einem Akt der Selbsterkenntnis, zu einem Weg, sich mit ihren eigenen Augen und nicht mit denen anderer zu sehen. Das Schreiben, das zur Reflexion zwingt, zerstört bei Valeria Welten, bringt sie aus der Fassung. Sie, die zunächst unscheinbar, farblos und langweilig erschien, bekommt allmählich Konturen und Profil.

Die Autorin zeigt schonungslos die Lebenswirklichkeit der Frau. Damit hat sie Lesende ihrer Zeit angesprochen. Sie steht darin in der Tradition großer anderer Autor:innen. Das verbotene Notizbuch ist ein Klassiker der feministischen Literatur, der noch heute gilt. Es ist genauso Pflichtlektüre wie Woolfs Ein Zimmer für sich allein oder manche Bücher von Simone de Beauvoir.

Insel Verlag, 12 Euro

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Unsere Taschenbuchempfehlung im April 2023

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Dieses Buch erzählt von einer kleinen Flamme, die man in die Hand bekommt und vor dem Wind zu schützen hat. Es ist ein zarter Hoffnungsschimmer, dass er doch gelingen kann: der Frieden im Heiligen Land!

Igal Avidan hat in Folge der Unruhen des Jahres 2021 sich aufgemacht, in Israel Menschen zu treffen und mit ihnen zu sprechen, wie Frieden, wie eine israelische Zukunft mit Juden und Arabern/Palästinensern aussehen könnte. Daraus entstand ein Buch, ein Text von Menschen, die getragen von Hoffnung, erschöpft von Rückschlägen sind und sich dennoch einsetzten für ein Israel, in dem Juden und Araber miteinander leben können. Wir erfahren, wie tragfähig (noch) die israelische Demokratie ist. Wir erfahren auch von vielen Momenten, in denen die Radikalen immer wieder gewinnen. Aber wir erfahren ganz besonders von all jenen, die sich dagegenstellen: still, helfend und Hoffnung bietend.

Der Text weiß noch nichts von dem Terror, der im vergangenen Oktober geschehen ist. Aber stecken darin vielleicht nicht trotzdem die Antworten auf diesen Terror? Angesichts der Gräuel der Hamas, angesichts der Spirale der Gewalt mag es utopisch scheinen, aber als Christ, als Jude, als Muslim darf man den Glauben an die Veränderung zum Besseren nicht verlieren. Daher: Sie ist möglich, das zeigt dieses Buch. Und es zeigt, dass wir alle Verantwortung zu übernehmen haben. [BS]

Igal Avidan: ‚ . . . und es wurde Licht! Jüdisch-arabisches Zusammenleben in Israel. Berenberg Verlag, 18 Euro

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