Je Wetzsteinbrief empfehlen wir ein Taschenbuch vor.

Mein Lieblingsbuch (Dagmar Faller) des vergangenen Jahres ist Vernichten von Michel Houellebecq, eine Mischung aus einem spannendem Politroman und der Familien- und Liebesgeschichte um den Protagonisten Paul Raison. Wir begleiten Paul ein Jahr während der französischen Präsidentschaftswahlen 2027. Er ist engster Berater und Freund des amtierenden Wirtschaftsministers Bruno Juge, der kurzzeitig als Premierminister vorgesehen wird – bis zu einer Verfassungsänderung, die das Amt des Premierministers abschaffen und ein präsidiales Regierungssystem einführen soll. Dies ist der politische Erzählstrang, in dem es um die Vernichtung der Demokratie, des modernen Lebens geht, und der der privaten Geschichte Pauls einen Rahmen gibt.

Paul lebt in einer scheinbar zerrütteten Ehe mit Prudence. Als Pauls Vater einen Schlaganfall erleidet, kümmern sich er und seine beiden Geschwister um den pflegebedürftigen Vater in dessen Landhaus im Beaujolais. Durch dieses Ereignis kommt es wieder zu einer Annäherung zwischen Paul und Prudence. Houellebecq lässt seine Figuren sich einander zuwenden und Halt in ihren Beziehungen finden. Dies beschreibt er meisterlich in einer sachlichen und fast nüchternen Sprache, die unglaublich berührt. In meinen Augen ein zutiefst versöhnlicher Roman, vielleicht der letzte Houellebecq, ein Meisterwerk, dessen Lektüre ich Ihnen wärmstens ans Herz legen mag. [Dagmar Faller]

Roman DuMontVerlag, 17 Euro (Taschenbuch)

Bestellen

oder 28 Euro (gebunden)

Bestellen

Dieses Buch erzählt von einer kleinen Flamme, die man in die Hand bekommt und vor dem Wind zu schützen hat. Es ist ein zarter Hoffnungsschimmer, dass er doch gelingen kann: der Frieden im Heiligen Land!

Igal Avidan hat in Folge der Unruhen des Jahres 2021 sich aufgemacht, in Israel Menschen zu treffen und mit ihnen zu sprechen, wie Frieden, wie eine israelische Zukunft mit Juden und Arabern/Palästinensern aussehen könnte. Daraus entstand ein Buch, ein Text von Menschen, die getragen von Hoffnung, erschöpft von Rückschlägen sind und sich dennoch einsetzten für ein Israel, in dem Juden und Araber miteinander leben können. Wir erfahren, wie tragfähig (noch) die israelische Demokratie ist. Wir erfahren auch von vielen Momenten, in denen die Radikalen immer wieder gewinnen. Aber wir erfahren ganz besonders von all jenen, die sich dagegenstellen: still, helfend und Hoffnung bietend.

Der Text weiß noch nichts von dem Terror, der im vergangenen Oktober geschehen ist. Aber stecken darin vielleicht nicht trotzdem die Antworten auf diesen Terror? Angesichts der Gräuel der Hamas, angesichts der Spirale der Gewalt mag es utopisch scheinen, aber als Christ, als Jude, als Muslim darf man den Glauben an die Veränderung zum Besseren nicht verlieren. Daher: Sie ist möglich, das zeigt dieses Buch. Und es zeigt, dass wir alle Verantwortung zu übernehmen haben. [BS]

Igal Avidan: ‚ . . . und es wurde Licht! Jüdisch-arabisches Zusammenleben in Israel. Berenberg Verlag, 18 Euro

Bestellen