Friedenauer Presse, 20 Euro
Wie oben angekündigt geht es hier ausführlicher um Thomas De Quincey (1785 – 1859). Hochintelligent und brillant im Umgang mit Sprache schrieb er viele Texte: Essays, Zeitungsartikel, Novellen. Doch trotz seiner hohen Produktivität und seines Erfolges u. a. mit dem Buch Bekenntnisse eines englischen Opiumessers floh er zeitlebens vor seinen Gläubigern. Seine Söhne starben, auch seine Frau starb geschwächt durch das tägliche Leid. Trotzdem schrieb er, abhängig von Opium (Laudanum), immer weiter. Schon ein Jahr nach dem Tod seiner Frau veröffentlichte er 1838, ganz unter dem Eindruck ihres Todes und voller Schuldgefühle, die Novelle The Household Wreck (deutsch: Ruin).
Ein namenloser Ich-Erzähler schildert sein Lebensglück: Gesicherte Grundlage, ein schönes Leben mit Agnes, seiner großen Liebe – alles ist perfekt, bis Agnes verhaftet und angeklagt wird, das Drama kommt zum Höhepunkt, als Agnes stirbt und der Ich-Erzähler daran zerbricht. Doch auch jetzt reflektiert er, beschreibt die Fragilität des Glücks und die Grausamkeit des Lebens.
Ein wenig braucht es Zeit, um sich an die Sprache des Buches zu gewöhnen. Es ist ein Auf und Ab, ein beeindruckendes Mäandern. Ruin erinnert einen an die fantastischen, schattenhaften Gebäudekomplexe eines Piranesi (1720 – 1778), oder an einen Spaziergang durch das Labyrinth des Dädalus. Eine lohnende Entdeckung, die sprachlich alt und doch so aktuell ist! [Björn Siller]


