Von Sonntag, 18. Januar bis Donnerstag, 22. Januar 2026 fanden in der Buchhandlung zum Wetzstein erneut die Jüdischen Literaturtage der Buchhandlung statt.

Die fünftägige Reihe wurde mit einer Matinee am Sonntag (18.1.2026, 11 Uhr) eröffnet. Ektoras Tartanis, Komponist und Chefdirigent der Niederbayerischen Philharmonie, präsentierte seine neuen Vertonungen von Gedichten des Lyrikers Paul Celan. Im Gespräch mit Susanne Bader, im Dialog zwischen den Gedichten und der Musik, bekamen die über 60 Zuhörenden einen sehr persönlichen Eindruck vom Arbeiten und Denken des Komponisten.

Am Montag (19.01.2026, 19 Uhr) konnten wir wie im vergangenen Jahr einen Abend der Freiburger Autorin Lotte Paepcke widmen. Dank des 8 Grad Verlages erscheinen die lange vergriffenen Bücher der Autorin wieder, bisher der Roman Ein kleiner Händler, der mein Vater war. Im interessanten Gespräch mit der Enkelin der Autorin, Ursula Paepcke, konnten Susanne Bader und Björn Siller jetzt die soeben erschienene Autobiografie Lotte Paepckes Unter einem fremden Stern präsentieren.

Lotte Paepcke wurde im Jahr 1910 als Tochter der jüdischen Familie Mayer in Freiburg geboren. Als Ehefrau eines sogenannten Ariers konnte sie eine gewisse Zeit im Dritten Reich ohne Verfolgung leben. Im Laufe des Krieges jedoch und dank der Hilfe eines Ordensmannes fand sie den überlebensnotwendigen Schutz im Kloster in Stegen, vor den Toren Freiburgs. Ihre Autobiografie erzählt von den Jahren der NS-Zeit und gehört zu den frühen Werken der Shoa-Literatur.

Im vergangenen Jahr 2025 stellten wir bereits den erwähnten Roman zu Lotte Paepckes Vater: Ein kleiner Händler, der mein Vater war, im Rahmen der Jüdischen Literaturtage vor.

Auch dank der zahlreichen Aufführungen von szenischen Lesungen aus diesem Buch durch die Schauspielgruppe die methusalems erhielt dieses Buch im Laufe des vergangenen Jahres bereits vermehrte Aufmerksamkeit.

Am Dienstag (20.1.2026) fanden zwei Veranstaltungen statt:

Mittags um 12:30 Uhr die beliebte Musikalische Mittagspause. Benedikt Amann, Studierender der Freiburger Musikhochschule, spielte die Chaconne von J.S.Bach für Violine;  Björn Siller las Lyrik von verschiedenen jüdischen Dichter:innen.

Abends um 19 Uhr stand der Freiburger Autor Matthias Brandis mit seinem neuen Buch Margarete im Mittelpunkt eines bewegenden Gesprächs. Brandis, ehemaliger Ärztlicher Direktor der Freiburger Universitätsklinik, erzählt von seiner Mutter Margarete, die als Jüdin und Ehefrau eines Nicht-Juden die Nazi-Diktatur durchleben und erleiden musste.

Nach drei Tagen zur geschichtlichen Verantwortung aller in Deutschland Lebenden richteten sich die beiden danach folgenden Veranstaltungen auf die Gegenwart aus.

Am vierten Veranstaltungstag (21.1.2026, 19 Uhr) begrüßten wir die Autorin und Herausgeberin Dana von Suffrin. Sie ist eine der herausragenden jungen, jüdischen, literarischen Stimmen Deutschlands und erzählte uns von ihren Arbeiten und aus ihrem Leben. Zudem sprach sie bereits vorab über ihren im Frühjahr erscheinenden, neuen Roman Toxibaby.

In Folge des 7. Oktobers 2023 gab Dana von Suffrin die Beitragssammlung Wir schon wieder: 16 jüdische Erzählungen heraus. Dieser Band und die darin vertretenen Autor:innen und Positionen bildeten eine weitere Grundlage für das sehr anregende Gespräch über das Leben jüdischer Mitbürger:innen in unserem Land.

Der Abschluss der fünftägigen Reihe war eine Liebeserklärung an das Judentum. Der Religionsphilosoph und Islamwissenschaftler Ahmad Milad Karimi stellte am Donnerstagabend (22.1.2026, 19 Uhr) sein Buch Die Schönheit des Judentums. Eine muslimische Liebeserklärung vor. Dank des interessanten Gesprächs, das über die Theologie hinaus reichte und die Frage nach der Möglichkeit eines Miteinanders zwischen Juden und Muslimen aufgriff, war der Abend ein passender Abschluss der fünftägigen Veranstaltungsreihe.

Die Jüdischen Literaturtage werden von der Buchhandlung zum Wetzstein ohne Förderung veranstaltet und sind Ausdruck einer Grundhaltung der Inhaberin Susanne Bader und der Mitarbeitenden der Buchhandlung Björn Siller, Ilona Ganter, Alexandra Brandner und Dagmar Faller. Da die Kosten dieser Veranstaltungstage allein von der Buchhandlung getragen werden, sind wir vom Wetzstein froh und ebenso dankbar, dass sämtliche Veranstaltungen ausverkauft und die Gespräche mit den Autor:innen und den Gästen ausgesprochen interessant, anregend und weiterführend waren.

Helfen Sie durch Ihre Treue und Verbundenheit mit, dass wir auch im nächsten Jahr die Jüdische Literaturwoche der Buchhandlung zum Wetzstein organisieren und veranstalten können!

Es waren erneut besonders eindrucksvolle Tage.

Susanne Bader/Björn Siller