Roman
Matthes & Seitz Berlin, 26 Euro

Begründung der Jury 2025:

Fast erklärend weist das radikal reduzierte Cover von „Die Trauer der Tangente“ das Wort „Roman“ auf, denn Debütautor Fabian Saul hat eine ganz eigene Form des Erzählens definiert. In Fragmenten erinnert hier der Protagonist an einen verstorbenen Freund, dessen Tod sein eigenes Leben ins Wanken brachte. Verschiedene Personen, Orte und Erinnerungen werden in kurzen Absätzen skizziert, eine Art vielstimmiges Geflecht der Erinnerung entfaltet sich Seite für Seite. Poetisch erzählt der Autor von dem, was war und dem, was hätte sein können.

Um diesem nicht linearen Aufbau Struktur zu geben, kommt der Buchgestaltung dieses kraftvollen Werks eine besondere Bedeutung zu: Eine fein gesetzte Marginalspalte gibt Aufschluss über Orte und Personen, sie sorgt für Orientierung und Halt. Der Satz bleibt ansonsten wohltuend klassisch und lässt dem Inhalt seine Wirkungskraft. Die sorgfältige Detailtypografie ist überdies nicht nur präzises Handwerk, sondern unterstützt maßgeblich den Lesefluss, der aufgrund der abrupten Sprünge zwischen Erinnerungssplittern verschiedener Personen und erzählerischen Rückblenden herausfordernd ist.

Mit einem schlichten Einband, der lediglich papierene Knickfalten sowie Titel und Autor aufweist, präsentiert sich dieser Debütroman auf den ersten Blick recht zurückhaltend. Aufmerksamkeit erzielt schon hierbei das farblich abgestimmte Kapitalband sowie das korrespondierende Lesebändchen. Doch erst beim Lesen offenbart sich die gestalterische Kraft in ihrer ganzen Tiefe – sie interagiert mit dem Inhalt und schafft ein spannendes Gesamtwerk.

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