Roman. Unionsverlag, 13 Euro
Die große alte Dame der italienischen Literatur, 1936 in Italien geboren, aufgewachsen in Japan und Sizilien, ist jetzt in ihrem 90sten Lebensjahr.
Geprägt durch den Vater und dessen antifaschistische Haltung, entwickelte sie schon als junges Mädchen politisches Bewusstsein und schrieb bereits sehr früh über Gewalt gegen Frauen.
Drei Frauen ist im Original 2017 bei Rizzoli, Mailand, und jetzt, 2026, (auf Deutsch) im Unionsverlag als Taschenbuch erschienen; ein unterhaltsamer, nachdenklicher, tiefgründiger Roman über Gesuina, die Älteste, Maria, deren Tochter und Lori, die Enkelin. Drei Generationen leben unter einem Dach zusammen. Und das ist alles andere als einfach. Die im Charakter äußerst unterschiedlichen Damen bilden einen höchst fragilen Dreierbund. Ein Mann, Marias bisher ferner Brieffreund, mit dem sie einmal im Jahr gemeinsame Ferien verbringt, tritt als Gast auf längere Zeit in dieses mühsame Miteinander ein und bringt damit das immer wieder schwer aufrecht zu erhaltende, brüchige Konstrukt des Zusammenlebens völlig aus dem Gleichgewicht.
Dacia Maraini behandelt in diesem Roman in einer Art Tagebuch, verfasst aus drei unterschiedlichen Perspektiven, sehr feinfühlig und mit leisem Humor das Thema der Solidarität unter Frauen. Gleichzeitig wird deutlich, wie dieses, ebenso wie Haltung zu zeigen, ein notwendiger und wichtiger Teil des menschlichen Zusammenlebens ist. [Susanne Bader]


