Mareverlag, 22 Euro

Mitten in der Nacht wird ein Mann in eine englische Heilanstalt eingeliefert. Jung, stark und eigentlich gesund schwimmt er auf dem Trockenen, bis er vor Erschöpfung einschläft. Irgendetwas hat ihn verändert, aus der Bahn geworfen. Der Suche nach diesem „Etwas“ geht das Buch nach. Wir entdecken Ereignisse im Leben des Mannes, die seinen Geist überforderten: Einsamkeit und die Erfahrung des Krieges.

Diego Muzzoi schreibt hier einen inhaltlich prall gefüllten Kurzroman, der immer wieder sich anlehnt an die großen Klassiker der englischen Schauer- und Fantasieliteratur des 19. Jahrhunderts. Ganz in der Tradition von R. L. Stevenson (der im Roman eine Rolle spielt) geht es um die nebulösen Grenzen von Gut und Böse, um den „Kampf“ von Dualitäten und um Persönlichkeitserfahrungen (Veränderungen), in dem Fantasie und Wirklichkeit verschwimmen.

Goliaths Auge gehört zu jenen Büchern, die, unerwartet entdeckt, einen mehr beschäftigen als erwartet. Wer es abends liest, wird tagsüber nicht aufhören, daran zu denken, weiterlesen zu wollen. Literarisch traditionell und sauber verfasst ist diese schaurig-schöne Geschichte; sie ist ein Text, der spannend unterhält und gleichzeitig Tiefe und Substanz hat. [Björn Siller]

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