Die Architektin und Designerin Eileen Gray. Eine Biografie. E.A. Seemann Verlag, 26 Euro

Am Anfang war ein Tisch – was dahingehend stimmt, dass viele, auch die Autorin des vorliegenden Buches, noch vor der Person Eileen Gray (1878-1976) ihren Arbeiten begegneten und begegnen. Eileen Gray war keine Selbstvermarkterin, keine Kämpferin für die eigene Sache. Was dazu führte, dass sie zeitlebens eher unbekannt blieb, hinter ihre Arbeiten zurücktrat oder ihre Arbeiten gar anderen zugeschrieben wurden. Trotz großartiger Werke, faszinierender Kreationen von Möbeln, Teppichen und Häusern hatte sie nur kurz Erfolg in den 1920er Jahren und bekam einige wenige Erwähnungen in Fachzeitschriften. Dies änderte sich im hohen Alter Grays. In den 1960/70er Jahren wurden ihre Arbeiten sehr gewürdigt, wurden nachgebaut und werden dies nach wie vor – durch ein von ihr beauftragtes Unternehmen.

In Pionierin der Moderne erzählt die Autorin Charlotte Kerner von diesem besonderen Leben im Schatten der Architektur; sensibel, fundiert recherchiert und unterhaltsam. Was eine wunderbare Chance ist für all jene, die Eileen Gray noch nicht kennen und diese Ausnahmekünstlerin und ihr Werk kennenlernen wollen.

Den zu Anfang erwähnten Tisch (Adjustable Table E.1027) schuf Gray für ihr legendäres Haus am Meer. Dessen Name, E.1027, erinnert an sie, die Architektin und ihren Partner, dem sie dieses Haus vermachte. Das Haus am Meer wurde schnell Le Corbusier (1887-1965) zugeschrieben, der, durch die unerlaubte Bemalung der Wände, das Haus zu seinem machte. Über dieses Anwesen empfehlen wir zwei weitere Bücher: Sun Breakers, mit Bildern von Jürgen Beck und einem Essay von Dorothee Elmiger, zeigt das Haus so, wie wir es heute besichtigen können. Rainer Franke, emeritierter Rektor der HFT Stuttgart, bietet in E.1027. Ein Haus und seine Geschichte einen Einblick in die Geschichte dieses sehr besonderen Hauses, das der Schöpferin Eileen Gray zunächst einfach gestohlen wurde. [Björn Siller]

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